Kraftwerk Mehrum im Landkreis Peine

Nach 20 Monaten Reservebetrieb Kohlekraftwerk Mehrum geht endgültig vom Netz

Stand: 28.03.2024 11:11 Uhr

Mehrum war das erste Steinkohlekraftwerk, das im Zuge der Energiekrise im August 2022 aus der Reserve zurückgeholt wurde, um Erdgas aus dem Markt zu verdrängen. Jetzt wird es endgültig stillgelegt.

Das Kohlekraftwerk Mehrum geht Gründonnerstag endgültig vom Netz. Nach 20 Monaten im Reservebetrieb werde die Anlage nun wieder heruntergefahren, erklärte Geschäftsführer Armin Fieber auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. "Am Gründonnerstag produzieren wir letztmalig Strom aus Kohle." Damit ende die Kohleverstromung drei Tage vor dem bisher gesetzten Stichtag 31. März, bis zu dem die Anlage per Ausnahmeregelung am Strommarkt teilnehmen durfte.

Mehrum war im August 2022 das erste von bundesweit 14 Steinkohlekraftwerken, die in der Energiekrise aus der Reserve zurückgeholt wurden, darunter auch das Kraftwerk Heyden (Uniper) in Petershagen. Seither lieferte die Mehrum-Anlage im Landkreis Peine, die ursprünglich schon Ende 2021 stillgelegt worden war, wieder Strom.

Allerdings nicht durchgängig, wie Fieber erläuterte: "Das war abhängig von den Strompreisen. Es gab Phasen der Produktion und auch Phasen mit Stillständen." In den letzten Tagen des Betriebs habe man die Anlage bereits auf die Stilllegung vorbereitet und Behälter mit Betriebsstoffen gezielt entleert. 

Maßnahme sollte Erdgas verdrängen

Eine Verordnung der Bundesregierung erlaubte den Stromverkauf aus Reservekraftwerken, die mit Steinkohle oder Öl befeuert werden, bis Ende März 2024. Mit der Maßnahme sollte Erdgas aus dem Strommarkt verdrängt werden.

Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) hatte die Rückkehr klimaschädlicher Kohlekraftwerke mit Blick auf den Klimaschutz wiederholt als bittere Nachricht bezeichnet. Die Rückkehr sei aber wegen der Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine auf die Gasversorgung unvermeidlich gewesen.

Restliche Blöcke zum Ende der Frist vom Netz

Eine erneute Rückkehr aus der Reserve werde es nicht geben, fügte Geschäftsführer Fieber hinzu. Das Kraftwerk Mehrum, das dem tschechischen Energiekonzern EPH gehört, werde nun abgerissen. "Die Vorbereitungen laufen bereits." Stattdessen, so der Plan des Betreibers, soll dort dann ein neues Gaskraftwerk entstehen. Das Steinkohlekraftwerk Mehrum war 1965 erstmals in Betrieb gegangen.

Vor Ablauf der Frist zum Ende März 2024 wurden neben dem Kraftwerk Mehrum bereits weitere Reservekraftwerke vom Netz genommen. So im Februar zum Beispiel das Steinkohlekraftwerk in Völklingen und Irsching 3 im Dezember 2023. Von den insgesamt 16 Blöcken, die im Rahmen des Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetzes reaktiviert wurden, dürften die restlichen fristgerecht vom Netz genommen werden.

Um die Stromversorgung ohne die Reservekraftwerke macht sich die Bundesnetzagentur keine Sorgen. "Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet", sagt Fiete Wulff, Sprecher der Bundesnetzagentur, tagesschau.de zur Stromversorgung ohne die Reservekraftwerke. In allen Prognosen zur Versorgung gehe man davon aus, dass die Kraftwerke planmäßig zum Ende der Frist nicht mehr am Markt seien.